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Im folgenden Video gewährt Google zum ersten Mal einen tieferen Einblick in ein zentrales, internes Firmengremium, dem sogenannten Search-Quality-Meeting, wo Änderungen und neue Features an Googles Suchalgorithmus beraten und abgesegnet werden.

Bei dem mitgeschnittenen Meeting geht es dabei um eine bevorstehende Änderung an Googles Spell-Checker für lange Suchabfragen mit mehr als 10 Wörtern. (Ich habe es 2x screenen müssen, um dem Gespräch und den Einblendungen folgen zu können ;)

Video-Credit: Google

Das ein wenig einem "Star Trek Briefing" anmutende Meeting, findet einmal wöchentlich im Google-Hauptquartier, dem Googleplex in Mountain View, Kalifornien, statt, und ist mit führenden Google-Mitarbeitern (im Video: Amit Singhal, Pandu Nayak, Scott Huffman, Ben Gomes, Matt Cutts, Paul Haahr, Benj Azose) und Hands-On-Entwicklern (im Video Lars Hellsten) besetzt, sowie über Live-Streaming mit anderen Google-Entwicklungslabors auf der Welt verbunden.

Jetzt wird auch klar, warum für Google+ die Hangouts (Videokonferenzen mit mehreren Teilnehmern) so wichtig sind ;) Projekt-Mitarbeiter bei Google sind oft über mehrere Kontinente verteilt ;) und Videokonferenzen sind ein essentielles Kommunikationstool für Google.

Was Firmen und Start-Ups von Google lernen können?

Informierte Entscheidungen mithilfe von statistischen Modellen sind in der Regel besser als reine Bauch-Entscheidungen.

Eine Boing 777 wird man ohne (Mess-)Instrumente auf Sicht nur schwer landen können und genauso verhält es sich auch mit Produkt- und Firmenentscheidungen bei hinreichend komplexen Systemen. Jede Entscheidung sollte im Idealfall auf Fakten basieren und deren Auswirkungen mithilfe von (statistischen) Modellen überprüft werden.

Andererseits heißt das nicht, dass man seine Intuition und seinen Hausverstand komplett über Board werfen soll, denn auch Statistiken können leicht fehlerhaft sein (mangelnde Datenqualität, falsche Annahmen etc) oder falsch interpretiert werden oder falsche Prognosen liefern (Verwechslung von Ursache/Wirkung, chaotisches System, schwache Variablen etc.). Sich nur auf Prognosen zu verlassen ist zu wenig.

Unabhängige Qualitätssicherung

Jede Änderung am Suchalgorithmus wird von einem dem Entwicklerteam unabhängigen Analysten begleitet, der die Auswirkungen der Änderung analysiert und einen Analysebericht dem Search-Quality-Meeting vorlegt.

Achtung vor Verschlimmbesserungen!

Wie man im Beispiel sieht, liefert die Erweiterung des Spell-Checkers auf mehr als 10 Wörter in manchen Fällen auch schlechtere Resultate als zuvor (Tippfehler am Anfang der Abfrage wird nicht mehr erkannt oder ein langes Zitat, das in das Suchfeld gepastet wird, wird plötzlich ungewollt "korrigiert"). Letztendlich muss abgewägt werden, ob die Vorteile überwiegen und die Nachteile wirklich in Kauf genommen werden können.

Transparente Firmenpolitik

Last but not least, sieht man an diesem Beispiel sehr schön, wie sich Google bemüht, sowohl intern (Mitarbeiter können bei dem Meetings einfach zuhören kommen, wahrscheinlich gibt es auch interne Protokolle / Videos von den Meetings etc) als auch extern (mit Informationen wie diesen) transparent zu sein.

Mal davon abgesehen, dass Openess sympathisch ist, stärkt es das Vertrauen in das Unternehmen und (intern) die Indentifikation mit wichtigen Firmenentscheidungen und macht das Unternehmen einschätzbarer.

Gleiches versucht übrigens auch Microsoft mit Channel9 und zahlreichen Firmenblogs seit Jahren.

Transparenz & Datenschutz

Googles Offenheit hört allerdings dann auf, wenn es um das konkrekte Suchranking geht (ok, ist zum Teil verständlich) und wie es mit den gesammelten Profildaten der User umgeht, die Google seit 1. März 2012 über alle Google-Services (Suche, Gmail, Google+, YouTube, Google Analytics, Blogger etc.) hinweg aggregiert. Da hat Google noch viel Potential noch transparenter zu werden.

Weitere Ressourcen

13.03.2012 Virtual Net

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